Erstnennung

Der 18. Juni 1115

Ein wichtiges Datum für Oberachern und Achern


Vor 900 Jahren – am 18. Juni 1115 – wurden Oberachern und Achern erstmals mit einem exakten Datum urkundlich erwähnt. Und zwar in Zusammenhang mit einem Rechtsakt, bei dem zwei Vertreter der Herren von Achern zugegen waren. Einer Ritterfamilie, die vor allem die Oberacherner Ortsgeschichte und auch darüber hinaus beeinflussen sollte. Dieses Datum hat eine besondere Bedeutung für beide Orte, denn alle bisherigen Datierungen des damaligen „Achara“ beruhen auf Schätzungen, so auch die Ersterwähnung um das Jahr 1090.

Oberachern-Illenbach 1609 Die Herren von Achern traten ebenfalls an dem besagten 18. Juni 1115 zum ersten Mal genau datierbar auf, und zwar durch Gottschalk von Achern und seinen Sohn Adelbert. Denn sie waren damals Zeugen bei einem feierlichen Schenkungsakt in Malsch vor Berthold von Eberstein und dessen Schwiegersohn Wetzel von Zollern. Es scheint, als hatten die Herren von Achern in der Region eine gewisse Bedeutung, denn sonst wären sich nicht von solch bedeutenden Adelsfamilien wie den Ebersteinern oder Zollern (den späteren Hohenzollern) als Zeugen hinzugezogen worden.

Die Herren von Achern waren wahrscheinlich ursprünglich Ministerialen der Herzöge von Zähringen, als Ritter oder Edelknechte Teil des Ortenauer Niederadels und zeitweise Lehensleute der Markgrafen von Baden, des Straßburger Bischofs und der bereits genannten Grafen von Eberstein. Erste namentlich bekannten Angehörigen der Familie waren Erkenboldus von Achern sowie Eberhard von Achern und seine Ehefrau Gertrud, deren Erwähnung im Schenkungsbuch des Klosters Reichenbach im oberen Murgtal aus dem Überlieferungszeitraum heraus auf die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts grob geschätzt wird.

In den nächsten Jahrhunderten tauchen immer wieder Mitglieder der Familie in der Geschichte auf. So als Bürge Berthold von Achern 1309 bei der Erhaltung des Kaufes der Stadt Stollhofen sowie der Dörfer Hügelsheim und Söllingen durch Markgraf Rudolf II. der Ältere von Baden gegenüber dem Kloster Herrenalb. Für die Oberacherner Ortsgeschichte sind insbesondere die beiden Töchter des Straßburger Bürgers Heinrich von Achern, Meza und Gerusa, von Bedeutung, denn sie vermachten dem Kloster Allerheiligen am 5. April 1339 „zu ihrem Seelenheil“ verschiedene Gefälle und Güter. Diese lagen zum Teil in Oberachern, welches damals zum ersten Mal als „Acheren superiore“ unter diesem Ortsnamen urkundlich erwähnt wird.

Der in der Ortenau wohl einflussreichste und innerhalb der Familie wichtigste Vertreter der Herren von Achern war unzweifelhaft Andreas von Achern, der möglicherweise erste königliche bzw. kaiserliche Vogt des Gerichtes Achern mit Sitz im Oberacherner Wasserschloss. Außerdem war er zusammen mit Ludwig und Heintze von Großweier Markherr der Sasbacher (oder Großweierer) Mark. Mit seinem Tod nach 1356 starb diese Linie der Familie im Mannesstamm aus. Seine Frau Gisela von Hofweier ist insbesondere für die Kirchengeschichte der Oberacherner Stefanskirche bedeutend, denn sie verschenkte für den Marienaltar der Kirche eine Priesterpfründe sowie der Pfarrei Einnahmen aus Plaueln (Hanfstampfen), Gütern und Abgaben der Bauern.

Wappen der Herren von Achern Wie alle Adels- und Rittergeschlechter führten auch die Herren von Achern ein eigenes Wappen, welches einen Angelhaken zeigte. Überliefert ist dies aus dem Jahre 1335, als sich Rüdiger von Achern am 18. August für seinen Neffen, den Edelknecht Konrad von Bach, erneut verbürgen musste, weil dieser 1330 bei einer Fehde zwischen den Grafen von Fürstenberg und der Stadt Villingen in Kriegsgefangenschaft der Fürstenberger geraten war. Als letzter bekannter Vertreter derer „von Achern“ wird 1450 Michel von Achern als Dienstmann des Markgrafen Jakob von Baden genannt.

Kirche in Oberachern Sitz der Ritter oder Edelknechte von Achern war das Oberacherner Wasserschloss, das in unmittelbarer Nähe zum Turm der Stefanskirche stand. Das Wasserschloss grenzte an seiner Südseite an den neben der Kirche sich befindlichen Kirchhof, sodass der Kirchturm auch zu Verteidigungszwecken dienen konnte. Der Turm, dessen unterer Teil die typischen Merkmale des späten 13. Jahrhunderts aufweist, war allerdings nie ein Teil des Wasserschlosses, aber die Dicke der Mauern und die kleinen gotischen Fenster, die auch als Schießscharten dienen konnten, lassen diesen Schluss zu.

Nach dem Aussterben der Herren von Achern blieb das Wasserschloss weiterhin Wohnsitz des landesherrschaftlichen Vogts. Dies änderte sich jedoch mit dem Bauernkrieg, als eine Forderung der Bauern war, dass der Vogt 5 Seb Chri Freischbach auch am Sitz des Gerichts wohnen sollte. Nachdem der Gerichtssitz anscheinend deshalb nach 1525 in Niederachern war, befand sich das Wasserschloss in den Händen verschiedener Eigentümer, bevor es wahrscheinlich in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges durch einen Brand schwer beschädigt wurde und anschließend immer mehr verfiel, sodass es 1822 endgültig abgetragen wurde.

Neben einer Ofenkachel, die an der Rückseite des Hotels „Kiningers Hirsch“ eingemauert wurde, haben heute die Grabsteine an der Südseite des Kirchturms sowie die „Röder’sche“ Grabplatte an der Nordseite des Langhauses der Kirche noch einen Bezug zum Wasserschloss (Georg von Röder, Vogt im Wasserschloss von 1443 bis 1474). Einem der Eigentümer des Schlosses, Christoph von Freispach, verdanken die Oberacherner mit dem linksgewendeten Adlerrumpf auch ihr Gemeinde- und Ortswappen.