Die Flurnamen auf dem Gelände der ehemaligen Firma Lott

aus der Oberacherner Dorfgeschichte

FLURNAMEN AUF DEM GELÄNDE DER EHEMALIGEN HARTPAPPENFABRIK LOTT


In den vergangenen Jahren beschäftigte sich der Ortsrat von Oberachern immer wieder mit dem Neubaugebiet der ehemaligen Hartpappenfabrik Lott. Historisch ist dieses Gelände sehr bedeutend, denn bis 1824 stand hier die zweite Oberacherner Pfarrkirche, die Johannes dem Täufer geweiht war. Diese war Pfarrkirche für Oberachern südlich des Mühlbachs und – bis 1535 – auch für Niederachern, das heutige Achern. Die Ersterwähnung der Johanneskirche erfolgte 1306 – sogar noch vor der Stefanskirche, obwohl diese wahrscheinlich die ältere der beiden Kirchen war.  Deren Erstnennung datiert aus dem Jahre 1372 und hat einen indirekten Bezug zur Johanneskirche, denn in diesem Jahr stiftete Gisela von Hofweier, die Ehefrau des kaiserlichen Vogtes Andreas von Achern,  einen Marienaltar in der Stefanskirche. In der Urkunde dazu wird u. a. eine Steinplauel (d. h. eine Steinstampfe) am Friedhof der Johanneskirche erwähnt. Diese ortgeschichtlichen Gegebenheiten haben sich auch auf die Flurnamen ausgewirkt. Die drei derzeit bekannt Flurnamen sollen hier kurz vorgestellt werden:
Ausschnitt Kirchweg 1.    „Kirchweg“: Von dem „Kirchweg“ der Gläubigen von (Nieder-)Achern nach Obera-chern leitet sich der Name für dieses große Gewann ab (links Ausschnitt aus dem Ge-markungsatlas von 1859/62 mit dem Gewann Kirchweg, welches von der Gemar-kungsgrenze zu Achern bis zur oberen Rötzestraße reichte. Das gleichnamige Gewann gibt es auch in Achern. Heute ist das Gewann „Kirchweg“ fast ausschließlich bebaut.
2.    „St. Johannis Bühnd“ oder „Johannesbühnd“: Dieses historische Gewann grenzte un-mittelbar an die Johanneskirche an, die zum Zeitpunkt der Ersterwähnung noch exis-tierte. So heißt es im Grundbuch von Oberachern, dass am 8. Dezember 1821 „Daniel Sauter, Burger und Papierfabricant von Oberachern“ von dem Oberacherner Bürger und Küfer Anton Strübel jun. ein „Achtel Hausplatz an der St. Johannis Bühnd zu Ober-achern“ kaufte.
3.    „Benze-Bühnd“: Laut Eugen Beck in der Festschrift „900 Jahre Oberachern“ von 1950 stand die Johanneskirche bis 1824 in der „Bentze-Bünd“. Die Flurname ist selbsterklä-rend und geht auf den in Mittelbaden häufig anzutreffenden Personennamen „Benz“ zurück, dessen Namensträger wahrscheinlich Eigentümer des Bühnd war.

Als „Bühnd“ bezeichnet man ein umzäuntes, fruchtbares Grundstück Ackerland, welches z. B. als Garten für den Anbau von Gemüse oder für Sonderkulturen wie Hanf oder Flachs diente. 

Reiner Vogt,  Heimat- und Verschönerungsverein Oberachern e. V., 2018 HVO Logo